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Der aussergewöhnliche Vereinsausflug

Chorausflug vom 12. Juni 2005

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Nicht weit geht unsere Reise
Ganz nah liegt unser Ziel,
doch reisen wir auf andere Weise
verraten wird nicht allzu viel.

So begann der Reim unserer Präsidentin Martha Tschümperlin auf der Einladung zum diesjährigen Vereinsausflug. "Wir werden uns viel in der freien Natur aufhalten, freiwillig eine leichte Wanderung von ca. einer Stunde unternehmen, vom Wetter abhängig sein, für Speis und Trank ist gesorgt", viel mehr wurde uns auf der sehr ansprechend gestalteten Einladung nicht verraten. Klar und eindeutig waren lediglich, dass wir uns am Sonntag, 12. Juni 2005 um 8.30 Uhr auf dem Dorfplatz zu einem aussergewöhnlichen Ausflug besammeln durften.

Der Blick am frühen Sonntagmorgen aus dem Fenster zeigte einen bedeckten Himmel, die Temperatur bewegte sich um 15°. Die Wettervorhersage verhiess sonnige Abschnitte, aber auch Schauer. "Hmmh, sind bei diesen Voraussetzungen nun kurze oder lange Hosen angebracht? Soll ich nun Regenschirm, Regenjacke und Pullover, Sonnenhut und Sonnencreme einpacken oder gleich alles?" Solche und ähnliche Fragen dürften sich die meisten gestellt haben. So trafen wir mit mehr oder weniger Gepäck auf dem Dorfplatz ein, lauter fröhliche und erwartungsvolle Gesichter. Hier erwartete uns nicht der modernste doppelstöckige Luxus-Car einer Reiseunternehmung, sondern das gute alte Oldtimer-Postauto von Hans Kiener.

"Aha, unsere Reise führt uns Richtung Norden", lüftete sich ein erster Teil des Geheimnisses, Hans Kiener chauffierte uns nämlich gekonnt die Rossbergstrasse hinauf. In Rothenthurm lenkte Hans sein Postauto zum Bahnhof. Hier wartete bereits die nächste Überraschung: Drei Pferdegespanne standen für uns bereit. Wir verteilten uns auf die zwei Dreispänner und das Doppelgespann der "Fuhrhalterei Nussbaumer". In gemächlichem Schritt zogen uns die Pferde durch das unvergleichliche Hochmoor zum Restaurant "Steinstoss Stubli". Der leicht einsetzende Regen vermochte den Anstieg der Stimmung nicht zu bremsen. In den gedeckten Planwagen, mit Wolldecken über den Knien, fühlten sich alle wohl geschützt und geborgen. Schon bald ertönten die ersten Jauchzer und zur Situation passende Lieder wie "Lustig ist das Zigeunerleben ...". Im Steinstoss Stubli rückten wir nicht nur der guten Stimmung, sondern auch der engen Platzverhältnisse wegen noch näher zueinander. Das Personal hatte die Situation gut im Griff, jeder hatte seinen Sitzplatz und schon bald einen Kaffee und ein Gipfeli vor sich.

Die Weiterfahrt ging für uns gemütlich wie bisher, für die Pferde allerdings anstrengender weiter. Der Aufstieg zum St. Jost war doch recht steil, die Pferde legten sich mächtig ins Zeug und dampften um die Wette. Die Brandruine neben der Kapelle St. Jost stimmte uns nachdenklich, ist sie doch Zeuge einer vor ein paar Wochen ausgeführten Brandstiftung, der den gefundenen Spuren nach auch die Kapelle selbst zum Opfer fallen sollte.
Der Weg wurde enger, bot bald nur noch Platz für den Zweispänner. Statt des angebotenen Pferde-Shuttle-Dienstes entschloss sich der grösste Teil zu einem 10-minütigen Waldspaziergang. Ein feiner Duft kitzelte unsere Nase, die nächste Überraschung war perfekt: Ein 4-köpfiges Team, bestehend aus Kari und Ivan Arnold, Sepp Imhof und Willy Steiner kochten bei der "Ahorähütte" am offenen Feuer Risotto, die Glut in der Grillstelle wartete bereits auf das Fleisch. Der Apéro stand für uns bereit. Nebst den dazu üblichen Snacks überraschte uns Hans Suter mit einer feinen, selbst gebackenen Delikatesse, einem gefüllten italienischen Brotkranz.

Die "Ahorähüttä", ein wirklich ein herrlicher Platz auf der Krete Morgarten - Raten, den sich unser OK für den heutigen Tag ausgesucht hat. Auf 1150 Meter über Meer, am Waldrand gelegen, schweift der Blick über das Hochmoor mit dem gewundenen Lauf der Biber zum Dorf Rothenthurm. Die Mythen im Hintergrund lud zum Sinnieren ein: Von unserem Wohnort ein unverkennbares Dreigestirn, stellten sich die drei Gipfel aus diesem Sichtwinkel betrachtet derart verändert dar, dass sie nur mehr schwer erkennbar waren. Wie viele sind sich wohl bewusst, dass nicht nur die unverrückbaren Mythen, sondern auch unverrückbar geltende oder festgefahrene Meinungen aus einem anderen Sichtwinkel betrachtet plötzlich ein ganz anderes Bild ergeben können?

Doch zum Sinnieren blieb nicht viel Zeit, der Nachmittag verflog im Nu. Der vormittags während der Kutschenfahrt eingesetzte leichte Regen hatte sich längst verzogen, die Wolken vielfach der Sonne Platz gemacht. Das feine Risotto, die duftenden Steaks und Würste vom Grill, das reichhaltige Dessertbüffet, der Genuss an und in der Natur, niemand in dieser unkomplizierten, kameradschaftlichen Runde hätte wohl mit einem noch so piekfeinen Restaurant tauschen mögen. Gespräche, Witze, Gelächter, Gesang und Polonaisen, Gitarren-, Schwyzerörgeli- und Trompetenspiel liessen den Nachmittag allzu schnell vergehen. Für den Rückweg zum Bahnhof Rothenthurm stand wiederum der Zweispänner zur Verfügung, die meisten entschlossen sich aber, dieses Ziel auf Schusters Rappen in einer rund einstündigen Wanderung zu erreichen. Sie führte uns unter anderem durch eine derart prächtige und duftende Blumenwiese, dass nicht alle der Versuchung widerstehen konnten, sich gleich selbst hinein zu legen. Als berggewohnter Alpinist half Modest bei Bedarf, die weglose Abkürzung im Waldstück trittsicher zu bewältigen. Zusammen mit dem einsetzenden Regen trafen wir beim Bahnhof Rothenthurm ein. Die Rückfahrt nach Steinen durften wir wiederum im gelben Oldtimer-Postauto antreten.

Die frohen Gesichter, der kräftige Händedruck dürfte der spürbare Dank jedes Einzelnen an die Organisatorinnen Martha Tschümperlin und Regula Annen mit all den sichtbaren und unsichtbaren Helfern dieses aussergewöhnlichen Ausfluges gewesen sein. Es hat sich mehr als gelohnt, bei der schrittweisen Aufdeckung der geheimnisvollen Andeutungen auf der Einladung mitgewirkt zu haben.

Vielleicht ist es Ihnen, liebe Leserin, lieber Leser, gar nicht bekannt, dass der Kirchenchor nebst seiner Freude an einfachem wie auch anspruchsvollem Kirchengesang auch weltliche Lieder einübt und ab und zu "aussergewöhnliche" Tätigkeiten in sein Jahresprogramm aufnimmt. Die frohe Kameradschaft stellt ein wesentliches Element in unserem Vereinsleben dar.
Ebenso unkompliziert wie das Vereinsleben selbst ist auch der Beitritt: Kein Anmelde-formular, nichts. Jeden Donnerstag um 20.15 Uhr treffen wir uns im "Musig-Träff" zur gemeinsamen Probe. Sie können jederzeit ohne Voranmeldung eine Schnupperprobe besuchen und anschliessend entscheiden, ob Sie den eingenommenen Platz behalten möchten.

Wer weiss, vielleicht sind auch Sie, bzw. dann Du, auf unserem nächsten Ausflug mit dabei? Wir würden uns freuen! 

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