Eine rätselhafte Reise...
Chorausflug vom 20. Juni 2010
Eine rätselhafte Reise – oder gar etwas mehr? Fahrt ins Blaue – Reisen mit bis ins letzte Detail bekannten Programmpunkten, wer kennt nicht diese üblichen Reisearten? Martha Tschümperlin wählte eine noch interessantere Art: Die rätselhafte Reise!
Morgens früh um acht auf dem Dorfplatz
unsere Reise startet Richtung Nordosten.
Nicht mit Bahn, Velo oder Kutsche
Auch nicht auf einer Rutsche.
Als ich am Sonntagmorgen, 20. Juni 2010 den Reichlin-Car bestieg, kannte ich die weitere Bedeutung dieses ersten Satzes in der Einladung noch gar nicht. Ich war einfach darauf fixiert, dass wir irgendwie „in Richtung St. Gallen“ starten werden, was denn mit der Fahrt über den Sattel nach Pfäffikon und von da auf die Autobahn Richtung Chur, auch tatsächlich meiner Vorstellung entsprechend begann. In Reichenburg bog der Chauffeur links ab, sofort begann das Rätselraten: „Werden wir etwa im bekannten Wallfahrtsort Maria Bildstein singen?“, so die auftauchende und naheliegende Frage. Ein „Gmerkiger“ fragte in die Runde: „Was steht denn auf der Einladung?“ Jetzt dämmerte es sogar bei mir, dass die Einladung wohl ein ganzes Tages-Rätsel beinhalten könnte. Ich kramte meine im Hosensack verstaute Einladung hervor und las die nächste Strophe:
Keine Bretzel, aber Kaffee und Gipfeli knusprig und fein
laden uns zum Verweilen ein.
Aus diesen Zeilen geht klar hervor, dass nicht Singen in Maria Bildstein, sondern ein kulinarischer Teil auf dem Programm sein muss. Richtig, ein Kaffeehalt war angesagt, und zwar in der für fast alle unbekannten „Bretzelstube“ in Benken. Dieses Restaurant hat es allerdings in sich, ist dem Restaurant doch zugleich ein phantastisches Museum angegliedert. Primär ist dies ein Bäckermuseum, dessen breite Palette aber keinen Vergleich zu scheuen braucht. Beim Durchgang durch all die unzähligen Bäckerutensilien, dem „bekorbten“ Ausläufervelo, dem Holzkühlschrank, den Osterhasenformen, Hostieneisen, Küchengeräten und Kinderwagen aus der Zeit unserer Ur-Urgrossmütter, den fahrbaren und Modell-Oldtimerautos usw. usw. liess die Liebe des Sammlers Paul Wick zu seinem Werk förmlich spürbar werden und vermochte viele Erinnerungen an die eigene Jugendzeit wachzurufen. Der stolze Preis von Fr. 4.30 der guten alten 500 gr Ovomaltinebüchse machte mir klar, weshalb in vielen Familien die Ovomaltine kein Alltags-, sondern Sonntagsgetränk darstellte. Die kurze Zeit nach der Kaffepause reichte trotz Verlängerung nur aus, uns für einen späteren Besuch gluschtig zu machen und das Museum als Geheimtipp weiter zu empfehlen.
Nach weiterer, nicht allzu langer Fahrt,
die nächste Wohltat steht uns parat.
Nicht Bier und nicht Schnaps,
aber wohl keiner, der ihn nicht gerne hat.
Wen überrascht es, wenn sich mit Blick auf diese Strophe als nächster Ort das Eggtorkel in Maienfeld herausstellte. Hier wurde vor vielen Jahren der Wein der Maienfelder Trauben gepresst, mit einer aus Baumstämmen gefertigten Torkel, deren Mächtigkeit den Eindruck aufkommen lässt, mit dieser Presse selbst aus Stein noch Flüssigkeit herauspressen zu können. Dieser Raum ist heute als ebenso imposanter wie gemütlicher und gastlicher Aufenthaltsraum ausgebaut. Wir durften darin verweilen, unter fachkundiger Erläuterung drei verschiedene Maienfelder Weine degustieren, über Witze lachen, Trink- und andere Lieder singen, kurz – wir konnten es uns sehr gemütlich machen. Wurde vorher im Car noch lebhaft darüber diskutiert, wer gemäss der nächsten Rätselstrophe nun tatsächlich für 45 Minuten auf Schusters Rappen umsteigen möchte, kam uns das trübe Wetter plötzlich sehr gelegen, so dass der Spaziergang unvermittelt kein Thema mehr war und wir dafür etwas länger im Eggtorkel verweilen durften.
Nach kurzem Spaziergang in die Höh
Gutgelaunt – treffen wir nicht Peter,
aber schöne Aussicht, bei gutem Wetter.
Dann ein feines Mittagessen
Sollten wir wohl nicht vergessen.
Tja, und wenn wir dann beim Mittagessen nicht den Peter getroffen haben, wen denn sonst? Natürlich, sein Heidi! Wir befinden uns ja mitten im Heidiland. Im gleichnamigen Restaurant war für uns Platz reserviert, wir durften das Mittagessen einnehmen. Eine Gruppe asiatischer Touristen sass an den Nebentischen. An der Anzahl geschossenen Fotos von unserem (und ihrem!) Schwyzerörgeli-Musikanten Hans Suter gemessen, freuten sie sich mindestens soviel ob den Unterhaltungskünsten von Hans wie wir. Nicht schlecht gestaunt haben diese Gäste, als Hans „asiatisches Besteck“ hervorzauberte und vordemonstrierte, wie man eine echte Schweizer Rösti mit Stäbchen essen kann. Sein Pekingaufenthalt an der Olympiade und der kürzliche Shanghai–Besuch haben sein diesbezügliches Talent stark gefördert.
Gutgelaunt und wohlgenährt
Unser Bus wieder weiterfährt.
Kurz umsteigen und wassern,
wir unsere Seele baumeln lassen.
Mit Gesang und Musik die Zeit geniessen,
und unsere Gedanken dürfen fliessen.
Martha hat es richtig vorausgesehen: Gutgelaunt bestiegen wir wieder den Car, gespannt auf das nächste angekündigte Ereignis. Richtig, eine Schifffahrt auf dem Walensee stand uns bevor – von Walenstadt bis wahlweise nach Quinten oder Weesen. Auf dem Weg zum Schiffssteg stand für uns eine Zusatz-Überraschung bereit, ein parkierter „Trojan 200“. Dieses dreirädrige Auto gleicht einem Messerschmitt, den gereifteren Chormitgliedern als Fahrzeug unseres verstorbenen Mitgliedes Alois Schibig, den gereifteren Müttern und Steinern als Einsatzfahrzeug unserer Hebamme bekannt. Ein lustiges Bild ergab sich ob dem Interesse Schilter Sebis am Trojan 200: Hätte nun die Schwingerpostur Sebi im Trojan Platz gehabt oder der Trojan in Schilter Sebis Hosensack? Die Fahrt auf dem Walensee ermöglichte uns den Genuss der Landschaft, das Singen weiterer Lieder, die musikalische Unterhaltung durch Hans. Trotzdem, fast ausnahmslos entschieden wir uns, ab Quinten den Wanderweg nach Weesen unter die Füsse zu nehmen. Damit Hans sein Örgeli nicht durch leichten Regen dem Walensee entlang schleppen musste, entschied sich Hans als Einziger unserer Gesellschaft, auf diesen Fussmarsch zu verzichten. Ein fast verlorenes Bild bot sich vom Ufer, Hans beinahe alleine auf dem Schiff, unbeirrt weiterspielend, langsam unseren Blicken entschwindend. Nach dem zügigen, wohltuenden Marsch trafen wir uns jedoch bald wieder in Weesen, im Restaurant Schwert durften wir auch noch auf die Schlussstrophe von Marthas Rätsel-Gedicht zurück- und vorwärtsblicken:
Zum Schluss noch etwas für die Fitness tun.
Wir können nicht die ganze Zeit nur ruhn.
Nicht allzu spät, doch etwas müde die Einen,
wir zurückkehren in unser Heimatdorf Steinen.
Ja, zurück im Heimatdorf Steinen: Dankbar durften wir Martha die Hand drücken. Du hast diese Reise wunderbar organisiert, uns nochmals eine Deiner Qualitäten gezeigt. Du hast bei Deinem Rücktritt als unsere Präsidentin spontan zugesagt, die diesjährige Reise zu organisieren. So wie Du während Jahren den Verein bravourös und humorvoll geführt hast, hast Du auch diese Reise bravourös und humorvoll geleitet. Unser aller Händedruck gilt nicht nur als Dank für die überraschungsreich gestaltete rätselhafte Reise, er gilt als etwas mehr, nämlich als Dank für Deine Arbeit, Leistungen und Taten als jahrelange Präsidentin. Mit dieser Reise ist Dir Dein Schlussbouquet meisterhaft gelungen, herzlichen Dank!
Albert Beeler, Aktuar
