Zauberflötenmesse << zurück
Die Zauberflötenmesse wurde von einem anonymen Zeitgenossen Mozarts geschrieben, aber erst 1998 in Wien entdeckt.
Erstaufführung in der Schweiz durch den Kirchenchor Steinen im Jahre 2000.
Anlässlich unseres 90-Jahr-Jubiläums erneute Aufführung der Messe mit Orchesterbegleitung am 13. April 2008 in der Pfarrkirche Steinen und am 7. Juni 2008 in der Pfarrkirche Schwyz.
Im alten Notenarchiv der Pfarrkirche Wien-Lichtental ("Schubertkirche") liegt aus der Zeit um 1800, der Zeit des Chorregenten Michael Holzer (1794 -1826), des Lehrers Franz Schuberts, ein handshriftlicher Stimmensatz, dessen ursprünglicher Umschlag fehlt. Die Mappe des späten 19. Jahrhunderts trägt die Aufschrift "Missa in D Mozart".
Die bisher unbekannte Komposition (KV deest), eine Mischform von Parodie- und Pasticcio- Messe, basiert in allen Teilen auf Mozarts "Zauberflöte" (KV 620, 1791), von der Adaptierung ganzer Arien bis zur Verarbeitung von Zitaten (teilweise in Orchesterstimmen). Ähnliche Messen, meist aus aktuellen Opern, waren bis um 1830 auch in Italien und Frankreich beliebt.
Adolf Kollbacher hat im steirischen Benediktiner-Superiorat Mariazell eine weitgehend identische Fassung gefunden, deren Stimmen dorthin erst 1876 aus Westungarn geschenkt worden und nicht viel älter sind; beides ist rätselhaft.
Die Herausgeber haben offensichtliche Fehler, aber nicht Regelverstöße wie Oktav- oder Quintenparallelen, behutsam korrigiert. Wie oft im 18. und 19. Jahrhundert, sind GLORIA und CREDO teilweise polytextiert (die Stimmen singen verschiedene Textstellen gleichzeitig) und, besonders das CREDO, gekürzt. Im sehr kurzen ersten Teil des CREDO wurden die Takte 20 bis 35 wiederholt und damit die Worte "genitum non factum" bis "descendit de coelis" untergebracht. Die Orgelstimme wurde ausgesetzt, auf die Wiedergabe der flüchtigen Bezifferung aus technischen Gründen verzichtet. Lange Vorschläge mussten ausgeschrieben werden. Während Trompete 3 und Hörner der Entstehungszeit entsprechen, bewegen sich Trompete I und 2 ausschließlich in tiefer Lage diatonisch, nur Naturtrompeten nicht spielbar, und z. T. in grotesker Stimmführung. Ihre Stimmen wurden nur diese Ausgabe von Leo Kappel redigiert. (In der Mariazeller Fassung fehlen sie, so dass ihre Unterstimme Trompete 3 funktionslos ist.)
Die konzertante Uraufführung beim ,,9. Festival Internationale W.A. Mozart" in S. Marco, Rovereto (Provinz Trentino, Italien), am 28. September 1996 mit Ulrike Steinsky, Helga Wagner, Oscar Hillebrandt, Josef Böck (Orgel), Chor und Orchester der Schubertkirche Wien-Lichtental unter Friedrich Lessky hat die Komposition als gut klingend und wirkungsvoll erwiesen.
Ein kurzer Bericht darüber erschien in der "Singenden Kirche", 43. 19. 1996, Heft 4, S. 257f. Ein
folgender Aufsatz stellt diese Messe in einen größeren Zusammenhang: Erich Benedikt,
Openmusik -einst dem Lob Gottes dienstbar gemacht ("Singende Kirche", 44. 19. 1997, Heft 4, Seite 247-250.).
Wien, im März 1998
Die Herausgeber
